Antriebselemente

Teil von Antriebe auslegen: Drehmoment, Drehzahl und Lastprofil Schritt für Schritt

Checkliste zur Antriebsauslegung für Maschinen und Anlagen

Checkliste Antriebsauslegung: Lastdaten, Umgebung, IP-Schutzart, Betriebsart nach IEC 60034-1 und Sicherheit nach DIN EN ISO 12100 vor der Bestellung prüfen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Vier Prüfblöcke: Lastdaten, Umgebung, Betriebsart, Sicherheitstechnik.
  • Jede Angabe mit Einheit: Drehmoment in Newtonmeter, Drehzahl in 1/min, Temperatur in Grad Celsius.
  • Schutzart nach IP-Code und Betriebsart nach IEC 60034-1 schriftlich festlegen.
  • Risikobeurteilung nach DIN EN ISO 12100 und Ausrüstung nach DIN EN 60204-1 abhaken.
  • Bestellung erst freigeben, wenn alle Felder ausgefüllt sind.

Lastdaten mit Einheit erfassen

Der erste Block klärt, welche mechanische Arbeit der Antrieb leisten muss. Tragen Sie jeden Wert mit Einheit in das Auslegungsblatt ein. Fehlt eine Einheit, ist die Angabe unbrauchbar.

Prüfpunkt Geforderte Angabe Einheit
Spitzenmoment Lastmoment und Beschleunigungsmoment Nm
Nenndrehzahl Drehzahl an der Abtriebswelle 1/min
Massenträgheit Trägheitsmoment der Last, auf Motorwelle umgerechnet kg·m²
Querkraft Radialkraft an der Welle N
Bremsmoment Haltemoment der Haltebremse Nm

Prüfen Sie zusätzlich das Übersetzungsverhältnis des Getriebes und den Wirkungsgrad der Übertragung. Beide Werte beeinflussen das Motormoment. Rechnen Sie das Lastmoment auf die Motorwelle um, sonst dimensionieren Sie zu groß. Notieren Sie die erforderliche Bremszeit in Sekunden und die Schalthäufigkeit pro Stunde.

Umgebung und Betriebsart bewerten

Umgebungstemperatur in Grad Celsius, Aufstellungshöhe in Metern und Luftfeuchte in Prozent gehören in die Prüfliste. Über 40 Grad Celsius sinkt die zulässige Motordrehzahl, die Leistung wird reduziert oder ein größerer Motor nötig.

Schutzart nach IP-Code: IP54 für trockene Innenräume, IP65 bei Staub und Strahlwasser, IP66 bei starkem Strahlwasser. Die erste Ziffer steht für den Staubschutz, die zweite für den Wasserschutz.

Betriebsart nach IEC 60034-1: S1 Dauerbetrieb, S2 Kurzzeitbetrieb, S3 Aussetzbetrieb. Bei S3 geben Sie die relative Einschaltdauer in Prozent und die Schaltspiele pro Stunde an. Weicht die reale Last von S1 ab, korrigiert der Hersteller die Nennleistung.

Sicherheitstechnik und Normen abhaken

Die Risikobeurteilung nach DIN EN ISO 12100 ist Pflicht, bevor eine Maschine in Verkehr kommt. Sie dokumentiert Gefährdungen und die daraus abgeleiteten Schutzmaßnahmen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beschreibt in ihrer Gefährdungsbeurteilung, wie eine solche Bewertung aufgebaut wird.

Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG nennt grundlegende Sicherheitsanforderungen für Antriebe und Steuerungen. Für die elektrische Ausrüstung gilt DIN EN 60204-1: Not-Halt, Stop-Kategorien 0, 1 und 2, Schutz gegen elektrischen Schlag, Kennzeichnung und Verdrahtung.

Sicherheitsfunktionen brauchen einen Performance Level nach DIN EN ISO 13849-1. Legen Sie den erforderlichen PLr fest und prüfen Sie, ob der gewählte Antrieb ihn erreicht. Bei fehlendem Nachweis keine Freigabe.

Unterlagen und Freigabe

Vor der Bestellung liegen Datenblätter, Maßzeichnungen und die Konformitätserklärung des Herstellers vor. Prüfen Sie die CE-Kennzeichnung und die Angabe der Normen, nach denen der Antrieb geprüft wurde. Die BAuA zu Maschinen und Betriebssicherheit fasst die Pflichten für Betreiber zusammen.

Erst wenn Lastdaten, Umgebung, Betriebsart und Sicherheitsnachweise vollständig sind, geht die Bestellung raus. Offene Punkte gehören mit Termin und Verantwortlichem in das Protokoll. Sonst verzögert sich die Inbetriebnahme. Bewahren Sie das Protokoll für die technische Dokumentation auf.

Häufige Fragen

Welche Betriebsarten nennt IEC 60034-1?

Die Norm unterscheidet zehn Betriebsarten, darunter S1 Dauerbetrieb, S2 Kurzzeitbetrieb und S3 Aussetzbetrieb mit relativer Einschaltdauer in Prozent. Für die Auslegung zählt die tatsächliche Lastfolge.

Welche Schutzart ist für Industriemotoren üblich?

In trockener Umgebung reicht oft IP54. Bei Staub, Spänen oder Strahlwasser sind IP65 oder IP66 nötig. Die Schutzart steht auf dem Typenschild.

Wann ist eine Risikobeurteilung nach DIN EN ISO 12100 erforderlich?

Vor dem Inverkehrbringen einer Maschine. Sie ist Teil der technischen Dokumentation und Grundlage für die CE-Kennzeichnung.

Welche Angaben fordert DIN EN 60204-1?

Schutz gegen elektrischen Schlag, Not-Halt-Einrichtungen, Stop-Kategorien, Verdrahtung, Kennzeichnung und Prüfungen der elektrischen Ausrüstung.

Was gehört in das Auslegungsprotokoll?

Drehmoment in Newtonmeter, Drehzahl in 1/min, Massenträgheit in kg·m², Umgebungstemperatur in Grad Celsius, Schutzart und Betriebsart. Dazu die Normen und die Unterschrift des Freigebers.

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