Elektromotoren
Teil von Getriebe berechnen: Übersetzung, Wirkungsgrad und Sicherheiten richtig ansetzen
Getriebe berechnen mit 4 Vorlagen für Übersetzung und Verluste
Getriebe berechnen mit vier Vorlagen: DIN 3990, FVA, KISSsoft und MDESIGN im Vergleich, mit Eingabefeldern, Wirkungsgrad, Verlustleistung und Lizenzkosten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Vier Vorlagen stehen zur Wahl: Rechenblatt nach DIN 3990, FVA-Merkblatt-Vorlage, KISSsoft-Berechnungsmodul und MDESIGN-Berechnungsblatt.
- Eingabefelder sind Zähnezahlen, Stufenaufteilung, Werkstoffe, Lager, Dichtungen, Ölsorte und Lastkollektiv.
- Ausgabewerte sind Übersetzung je Stufe und gesamt, Wirkungsgrad in Prozent und Verlustleistung in Watt.
- Verluste werden getrennt nach Verzahnungseingriff, Lager, Dichtungen und Ölversorgung ausgewiesen.
- Lizenzkosten stehen netto je Arbeitsplatz im Angebot, Norm und Merkblätter sind kostenpflichtig.
Vier Vorlagen und ihre Aufgabe
Die vier Vorlagen unterscheiden sich weniger in der Rechenlogik als in der Führung des Anwenders. Alle arbeiten mit Zähnezahlen, Modul, Last und Wirkungsgrad. Unterschiedlich sind Umfang der Eingabe, Tiefe der Verlustrechnung und Bezug der Unterlagen.
Wer wiederkehrende Berechnungen vereinheitlichen will, braucht feste Felder. Feste Felder verhindern, dass Größen wie Wirkungsgrad oder Ölviskosität von Fall zu Fall anders angesetzt werden. Die Übersicht ordnet die vier Wege nach Eingabe, Ausgabe und Bezug.
| Vorlage | Eingabefelder | Ausgabewerte | Bezug und Lizenz |
|---|---|---|---|
| Rechenblatt nach DIN 3990 | Zähnezahlen, Modul, Eingriffswinkel, Werkstoff, Drehmoment | Übersetzung, Sicherheiten gegen Grübchen und Zahnfußbruch | Norm kostenpflichtig, Blatt selbst erstellt |
| FVA-Merkblatt-Vorlage | Verzahnungsdaten, Lager, Dichtung, Ölsorte, Drehzahl, Lastkollektiv | Verlustanteile, Gesamtwirkungsgrad, Verlustleistung | Merkblätter der FVA, kostenpflichtig |
| KISSsoft | Masken für Zahnrad, Welle, Lager, Getriebe | Übersetzung, Wirkungsgrad, Verlustleistung, Bericht | Lizenz netto je Arbeitsplatz in Euro im Angebot |
| MDESIGN | Formulare für Stufen, Wellen, Lager | Rechenweg, Übersetzung, Wirkungsgrad, Protokoll | Lizenz netto je Arbeitsplatz in Euro im Angebot |
Eingabefelder und Ausgabewerte im Detail
1. Rechenblatt nach DIN 3990
Das Rechenblatt nach DIN 3990 ist die schlankste Vorlage. Sie tragen Zähnezahl von Ritzel und Rad, Modul, Eingriffswinkel, Schrägungswinkel, Werkstoffkennwerte und Drehmoment ein. Ausgegeben werden Übersetzung und Sicherheiten. Was DIN-Normen regeln und wie sie entstehen, beschreibt die DIN-Übersicht zu Normen und Standards. Die Norm selbst beziehen Sie kostenpflichtig, das Blatt bauen Sie in Ihrer Tabellenkalkulation.
2. FVA-Merkblatt-Vorlage
Die Vorlagen der Forschungsvereinigung Antriebstechnik e. V. (FVA) sind auf Verluste zugeschnitten. Eingabefelder sind Verzahnungsdaten, Lagerart, Dichtungsart, Ölsorte, Ölstand, Drehzahl und Lastkollektiv. Ausgegeben werden Verlustanteile für Verzahnungseingriff, Lager, Dichtungen und Ölversorgung, daraus der Gesamtwirkungsgrad in Prozent und die Verlustleistung in Watt. Die getrennte Gliederung zeigt, welcher Anteil sich durch andere Lagerung oder Ölversorgung senken lässt.
3. KISSsoft-Berechnungsmodule
KISSsoft führt Verzahnung, Welle, Lager und Getriebe in getrennten Modulen. Sie tragen Zähnezahlen, Stufen, Werkstoffe, Schmierstoffe und Lastfälle in Masken ein. Ausgegeben werden Übersetzung je Stufe und gesamt, Wirkungsgrad in Prozent, Verlustleistung in Watt und ein Bericht. Welche Module der Anbieter führt, zeigt die Seite von KISSsoft zur Berechnungssoftware für Getriebe und Verzahnungen.
4. MDESIGN-Berechnungsblätter
MDESIGN stellt Berechnungsblätter für Stufen, Wellen und Lager bereit. Die Eingabe läuft über Formulare mit Einheiten und Wertebereichen. Ausgegeben werden Rechenweg, Zwischenergebnisse, Übersetzung, Wirkungsgrad und ein Protokoll. Der offengelegte Rechenweg hilft bei der Prüfung durch Dritte. Einen Überblick gibt MDESIGN zur technischen Berechnungssoftware.
Lizenzkosten und Bezug
Bei KISSsoft und MDESIGN werden die Lizenzkosten netto je Arbeitsplatz in Euro ausgewiesen. Der Betrag richtet sich nach Modulumfang, Zahl der Arbeitsplätze und Wartungsstufe. Für DIN 3990 und FVA zahlen Sie keine Softwarelizenz, wohl aber für Norm und Merkblatt.
Rechenbeispiel: Von der Übersetzung zur Verlustleistung
Beispielrechnung, keine Messwerte eines konkreten Getriebes: Ein zweistufiges Stirnradgetriebe hat i1 = 4,0 und i2 = 3,15, also eine Gesamtübersetzung von 12,6. Jede Stufe erreicht 98 Prozent Wirkungsgrad, die Lager zusammen 97,5 Prozent. Damit liegt der Gesamtwirkungsgrad bei 0,98 x 0,98 x 0,975 = 0,936, also 93,6 Prozent.
Nimmt der Motor 7500 W auf, beträgt die Verlustleistung 7500 x 0,064 = 480 W. Nach der FVA-Gliederung teilen Sie diese 480 W auf, etwa 240 W Verzahnung, 120 W Lager, 60 W Dichtungen und 60 W Ölversorgung. Die Aufteilung zeigt, an welcher Stelle eine Verbesserung am meisten bringt.
Vorlagen einführen und prüfen
- Grunddaten festlegen: Stufenzahl, Zähnezahlen, Werkstoff, Schmierstoff.
- Verlustquellen trennen: Verzahnung, Lager, Dichtung, Ölversorgung.
- Felder dokumentieren: Einheit, Quelle und zulässiger Bereich je Eingabe.
- Version anlegen und Prüfdatum eintragen.
Eine Vorlage bleibt nur brauchbar, wenn Annahmen nachvollziehbar bleiben. Hinterlegen Sie zu jedem Feld die Quelle, etwa Werkstoffdatenblatt, Schmierstoffdatenblatt oder Lastenheft. Prüfen Sie die Vorlage jährlich und nach jeder Änderung an Norm oder Merkblatt.
Häufige Fragen
Welche Vorlage eignet sich für die erste Abschätzung?
Für eine schnelle Abschätzung reicht das Rechenblatt nach DIN 3990 mit Übersetzung und Sicherheiten. Verluste schätzen Sie dort pauschal über den Wirkungsgrad.
Wann brauche ich eine Verlustrechnung nach FVA?
Sobald Wirkungsgrad oder Verlustleistung zugesagt werden müssen, etwa für die Auslegung der Kühlung. Dann zählen Einzelanteile mehr als ein Pauschalwert.
Was kosten die Softwarelizenzen?
Die Lizenzkosten nennen KISSsoft und MDESIGN netto je Arbeitsplatz in Euro im Angebot. Sie hängen vom Modulumfang und der Wartungsstufe ab.
Zählt die Norm selbst als Vorlage?
Nein. Die Norm beschreibt die Rechenregeln, die Vorlage liefert Felder und Ausgabe. Beides gehört zusammen, ersetzt einander aber nicht.