Elektromotoren
Teil von Antriebshersteller Angebote: Lastenheft, Preise und Lieferzeiten vergleichen
Checkliste für die Angebotsanfrage bei Antriebsherstellern
Checkliste Angebotsanfrage: Pflichtangaben von Nennmoment über Betriebsart nach IEC 60034-1 bis Lieferzeit, Verpackung, Ersatzteile und Vergaberecht.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Technische Pflichtangaben sind Nennmoment in Newtonmeter, Nennspannung in Volt, Nenndrehzahl, Schutzart und Betriebsart.
- Die Betriebsart nach IEC 60034-1 entscheidet über die thermische Auslegung und damit über Baugröße und Preis.
- Lieferzeit in Wochen, Verpackung und Ersatzteilzusage gehören in den kaufmännischen Teil der Anfrage.
- Öffentliche Auftraggeber arbeiten mit UVgO und VOB/A, DIN EN ISO 9001 dient als Nachweisrahmen.
- Ein einheitliches Formular für alle Bieter macht die Angebote vergleichbar.
Technische Pflichtangaben für die Anfrage
Beginnen Sie mit dem Lastfall: Nennmoment in Newtonmeter, Nennleistung in Kilowatt, Nenndrehzahl und Nennspannung in Volt. Fehlt eine dieser Größen, kalkulieren Hersteller mit eigenen Annahmen. Die Angebote lassen sich dann nicht mehr sauber gegenüberstellen.
Ergänzen Sie die Umgebungsbedingungen: Umgebungstemperatur, Aufstellhöhe, Kühlart, Isolierstoffklasse und Anbauform. Auch die Schutzart im IP-Code und die zulässige Wellenbelastung gehören auf das Datenblatt. Lenze führt solche Merkmale in den Produktdaten zu seinen Motoren auf.
Prüfen Sie Ihre Angaben gegen veröffentlichte Herstellerdaten. Baumüller beziffert in den Datenblättern seiner Elektromotoren Nennmoment, Nennspannung und Nenndrehzahl. Wer Schreibweise und Einheiten übernimmt, erhält weniger Rückfragen.
| Pflichtangabe | Einheit | Zweck in der Anfrage |
|---|---|---|
| Nennmoment | Nm | Auslegung von Motor und Getriebe |
| Nennspannung | V | Netzform und Umrichterbetrieb |
| Nenndrehzahl | min-1 | Auswahl der Übersetzung |
| Schutzart | IP-Code | Umgebungsbedingungen |
| Betriebsart | IEC 60034-1 | thermische Auslegung |
Betriebsart, Normen und Nachweise
Die Betriebsart nach IEC 60034-1 beschreibt die zeitliche Belastung. S1 steht für Dauerbetrieb, S2 für Kurzzeitbetrieb, S3 für Aussetzbetrieb mit relativer Einschaltdauer. Bei S3 nennen Sie zusätzlich Spieldauer und Einschaltdauer in Prozent.
Die Wahl hat Kostenfolgen. Ein Antrieb, der im Dauerbetrieb angefragt wird, obwohl er nur kurz läuft, wird größer und teurer ausgelegt. Eine zu optimistisch gewählte Betriebsart führt dagegen zu thermischer Überlast und Reklamationen. Wägen Sie beide Optionen bewusst ab.
Normen gehören namentlich in die Anfrage: Produktnorm, Prüfvorschriften und gewünschte Nachweise. Das DIN erläutert unter Normen anwenden, wie Normen in Beschaffung und Vertrag einbezogen werden. Als Nachweisrahmen für das Qualitätsmanagement dient DIN EN ISO 9001. Verlangen Sie das Zertifikat mit Geltungsbereich, Zertifizierungsstelle und Ablaufdatum.
Lieferzeit, Verpackung und Ersatzteile
Lieferzeit in Wochen, immer mit Bezugspunkt: ab Bestellung, ab Auftragsbestätigung oder ab Zeichnungsfreigabe. Ohne diesen Bezug sind Termine nicht vergleichbar. Alle Preise in Euro netto, mit Bezugsmenge und Gültigkeitsdauer.
Verlangen Sie außerdem verbindliche Angaben zu:
- Verpackung: Einzelkarton, Palette oder Seefrachtkiste, mit Kosten und Rücknahme
- Ersatzteile: Verfügbarkeit in Jahren, Reaktionszeit und Preisliste
- Gewährleistung: Dauer in Monaten und Ort der Leistung
- Dokumentation: Datenblatt, Maßzeichnung, Prüfprotokoll, Konformitätserklärung
- Angebotsbindung: Gültigkeit in Tagen
Vergabe bei öffentlichen Auftraggebern
Unterhalb der EU-Schwellenwerte gilt für Lieferungen und Leistungen die Unterschwellenvergabeordnung UVgO. Bauleistungen folgen der VOB/A. Wird der Einbau in ein Gebäude oder eine Anlage mitvergeben, kann die VOB/A den Auftrag prägen.
Oberhalb der Schwellenwerte greifen die EU-Vergaberichtlinien, in Deutschland umgesetzt unter anderem durch die Vergabeverordnung. Formulieren Sie technische Anforderungen als Mindestanforderungen, damit mehrere Bieter teilnehmen können. Legen Sie Zuschlagskriterien wie Preis, Lieferzeit und Ersatzteilversorgung vor der Anfrage fest.
Abhakliste vor dem Versand
- Lastdatenblatt mit Nennmoment, Nenndrehzahl, Nennspannung und Nennleistung beilegen.
- Schutzart und Betriebsart nach IEC 60034-1 eintragen.
- Normen, Prüfnachweise und DIN EN ISO 9001 als Pflichtnachweise benennen.
- Lieferzeit in Wochen, Verpackung und Ersatzteilzusage als Pflichtfelder markieren.
- Angebotsfrist, Gültigkeitsdauer und Zuschlagskriterien für alle Bieter gleich setzen.
Häufige Fragen
Reicht die Nennleistung in Kilowatt als Angabe?
Nein. Zwei Motoren mit gleicher Leistung können sich bei Nennmoment, Nenndrehzahl und Betriebsart unterscheiden. Mit diesen drei Angaben legen Sie Übersetzung und Baugröße eindeutig fest.
Wann gilt UVgO, wann VOB/A?
Die UVgO gilt für Lieferungen und Leistungen unterhalb der EU-Schwellenwerte. Die VOB/A gilt für Bauleistungen, also auch dann, wenn der Einbau Teil des Auftrags ist.
Wie frage ich die Ersatzteilversorgung ab?
Fordern Sie die Verfügbarkeit in Jahren nach Serienauslauf, eine Reaktionszeit in Werktagen und eine Preisliste für die wichtigsten Verschleißteile.
Welche Rolle spielt DIN EN ISO 9001?
Das Zertifikat belegt ein Qualitätsmanagementsystem und dient als Nachweisrahmen im Angebot. Prüfen Sie Geltungsbereich, Zertifizierungsstelle und Ablaufdatum, damit der Nachweis zum Lieferumfang passt.